Chaiten
Morgens wache ich von einem merkwürdigen Brummen auf. Das könnte auch das Schnurren einer Großkatze sein. Im geschlossenen Zelt stellt man sich alles mögliche vor. Drausen stelle ich fest, dass ein fotoscheuer Kolibri immer wieder an einem Baum mit roten Blüten tankt. Nach dem Frühstück gehts los, erstmal bergauf. Es ist neblig, tiefhängende Wolken aber angenehme Temperaturen. Nach einer halben Stunde der erste platte Reifen. Alles abladen, flicken, wieder aufladen. War zu wenig Luft drin für den Grobschotter hier. Schnellere Abfahrten über spitze Steine ballern ganz schön auf die Reifen.
Im Staub sehe ich die frischen Spuren eines Radlers. Nach ein paar Stunden habe ich ihn eingeholt. Ein junger Bursche mit Anhänger, er ist von Santiago hier hergefahren, war nicht schön wegen des vielen Verkehrs meint er. Seine Ladung verrutscht ständig, seine Schaltung spinnt, viele Gänge hat er sowiso nicht. Deshalb kommt er nur schleppend voran, trotzdem fahren wir ein Stück gemeinsam. Über das Rollfeld des örtlichen Flughafens geht es schließlich nach Chaiten. Die 5000 Einwohner-Stadt wurde 2008 von einem Vulkan bzw dessen Schlammlawine ausradiert. Deshalb ist hier nicht mehr viel los. Die Strasse ist jedoch asphaltiert, es gibt einen Supermarkt und einige Leute sind dabei ihre Häuser wieder aufzubauen. In der Ferne raucht noch der Vulkan. Auf dem Teer mit Rückenwind hole ich den Chilenen wieder ein, er hat Chaiten schon gesehen und ist deshalb einfach durchgerauscht. Er will die wundervolle Natur nochmal genießen bevor durch “HydroAysen”, ein Staudamm der am Rio Baker im Süden errichtet werden soll alles kaputt gemacht wird. Rio Baker ist weit entfernt aber die Stromleitungen sollen durch das ganze Gebiet nach Norden führen, wo der Strom für die Kupferminen gebraucht wird. Das Projekt ist in Chile sehr umstritten und es gibt großen Widerstand in der Bevölkerung. das wird aber vermutlich nichts verhindern…
Ich fahre voraus und habe kurze Zeit später so viel Abstand, daß mir das Warten zu lange dauert. Also fahre ich allein weiter. Nach etwa 40km geht die Straße wieder in Ripio über. In den Bergen hängen Gletscher. gegen Abend werde ich sehr hungrig, will aber noch über einen Berg, etwa 500hm sind zu bewältigen. Mit Müsliriegeln schaffe ich das, rolle noch bis St. Lucia wo ich einen Camping zu finden hoffte. Dort ist aber nix los, die Läden sind zu und keine Übernachtungsmöglichkeit die mir zusagt (Hospedaje gibts schon ein paar, will aber zelten). Also fahre ich noch etwas weiter und haue mich auf ein Stück Wiese zu den Mücken und Bremsen. 120km geschafft, schlafe gut! Keine Sylvesterparty dieses Jahr.












